Buchbesprechung:Justus von Denkmann, "Volksaufstand" und Lynchmord- Ein Kapitel 17. Juni

In diesem Monat jährt sich zum 50. Mal der Tag, an dem zum ersten Mal der Versuch einer Konterrevolution in der DDR stattfand. Für die Massenmedien ist dieser Tag, der 17. Juni, Anlass für viele Beiträge, mit denen die ins Stocken geratene Kriminalisierung der DDR-Vergangenheit wiederbelebt werden soll. Fossilien des Antikommunismus wie Wolfgang Leonhardt werden aus der Versenkung geholt und dürfen wieder mal ihre Weisheiten verbreiten.

Eine Gegenstimme zu diesem Chor kommt aus dem Spotless-Verlag, einem kleinen Verlag von Schriftstellern und Büchermachern aus der DDR, die sich nach dem Anschluss und der Abwicklung ihrer früheren Verlage zusammengetan haben, um monatlich mindestens ein Buch zum bescheidenen Preis von 10 DM, jetzt 5,10 Euro, herauszugeben.

In diesem Buch wird beispielhaft der Fall eines Lynchmordes in der Kleinstadt Rathenow beschrieben. Dort wurde Wilhelm Hagedorn, Wachmann in einem Kaufhaus, von einer Menschenmenge niedergeschlagen und in die Havel geworfen. Von der Polizei konnte er zwar aus dem Wasser gerettet werden, starb aber kurz darauf an seinen Verletzungen.

In den westlichen Medien wurde der Fall bagatellisiert oder gar der Lynchmord als verständlich dargestellt, da Hagedorn nach dem Krieg an der Verfolgung von NS-Verbrechern mitgewirkt hatte - zunächst im Auftrag der sowjetischen Besatzungsmacht, später für den Sicherheitsdienst der DDR. Nach dem Anschluss der DDR wurde der Gedenkstein auf seinem Grab von den neuen Machthabern entfernt. Anhand dieses Falles wird auch der Einfluss aus Westdeutschland und Westberlin auf die Ereignisse in der DDR geschildert, darunter die Machenschaften des Ostbüros der SPD.

Für alle, die bereit sind, zum 17. Juni etwas anderes wahrzunehmen als die Sprüche der Antikommunisten, sind die 95 Seiten eine empfehlenswerte Lektüre.

Gernot Linhart


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